Warum Ulrike den Schritt zum zweiten Cochlea-Implantat gewagt hat
Es gibt Entscheidungen im Leben, die nicht nur den Kopf betreffen – sondern vor allem das Herz. Für Ulrike war die Entscheidung für ein zweites Cochlea-Implantat genau so ein Moment. Heute sagt sie: „Wenn ich gewusst hätte, wie es sich anfühlt, hätte ich mich vielleicht früher entschieden.“ Doch bis dahin war es ein emotionaler Weg voller Zweifel, Abschiede und neuer Hoffnung.
Zwischen Vernunft und Bauchgefühl
Ulrike trägt ihr erstes Cochlea-Implantat seit 2013. Die Vorteile einer bilateralen Versorgung waren ihr theoretisch längst klar: besseres Richtungshören, natürlicheres Sprachverstehen und die Chance, das Hören leichter neu zu erlernen.
„Ich wusste das alles rational“, erzählt sie. „Aber emotional war ich noch nicht bereit.“ Denn auf dem anderen Ohr hatte Ulrike noch Restgehör. Besonders tiefe Töne und Musik bedeuteten ihr viel. Das Gefühl, diesen letzten natürlichen Höreindruck loszulassen, fiel ihr schwer.
Dann kam der Wendepunkt: Während einer Reha wurde festgestellt, dass ihr Sprachverstehen auf dem nicht versorgten Ohr stark nachgelassen hatte. Die Entscheidung rückte plötzlich näher.
Abschied, Angst und Hoffnung
Die Zeit zwischen Entscheidung und Operation war für Uli emotional. „Ich habe mich bewusst von meinem Ohr verabschiedet“, sagt sie offen. Sie schrieb einen Brief an ihr Ohr und sammelte gemeinsam mit ihren Liebsten besondere „Herzensmomente“. Einer davon führte sie an die Ostsee. „Ich wollte das Meer noch einmal natürlich rauschen hören.“
Nicht die Stille machte ihr Angst. Sondern die Frage: Wie wird mein neues Hören sein? Würde das zweite CI genauso gut funktionieren? Würde sie wieder richtig ins Hören finden?
Umso wichtiger war für sie eine gute Vorbereitung. Die Erstanpassung plante sie bewusst in einer vertrauten Reha-Klinik – gemeinsam mit Freunden, die selbst Cochlea-Implantate tragen und genau wussten, wie sich dieser Moment anfühlt.
„Plötzlich hörte ich rund.“
Dann kam die Erstanpassung des zweiten CI bzw. des zweiten Prozessors. Und plötzlich änderte sich alles.
„In diesem Augenblick wurde mir klar, dass ich die letzten Jahre eigentlich nur halb durchs Leben gehört hatte“, erinnert sich Uli. „Plötzlich hörte ich rund.“
Heute bilden ihre beiden Cochlea-Implantate eine Einheit. Auch wenn beide unterschiedlich klingen, ergänzen sie sich perfekt. Besonders das räumliche Hören und das natürlichere Sprachverstehen möchte sie nicht mehr missen.
„Ich merke wieder besser, aus welcher Richtung Stimmen oder Geräusche kommen. Gespräche in lauter Umgebung sind entspannter geworden und ich fühle mich wieder vollständiger beim Hören.“
Vielleicht ist jetzt Ihr richtiger Moment für das zweite CI
Ulrikes Geschichte zeigt: Der Weg zum zweiten Cochlea-Implantat ist oft mehr als eine medizinische Entscheidung – er kann neue Möglichkeiten im Hören und Verstehen eröffnen.
Wenn Sie mehr über die Möglichkeiten einer bilateralen Versorgung erfahren möchten, können Sie sich jederzeit unverbindlich beraten lassen. Gemeinsam mit Ihrer CI-Klinik oder dem Hörbegleiter-Team finden Sie heraus, welche Lösung zu Ihrer persönlichen Hörsituation passt:
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Denn manchmal braucht es nur den Mut, den nächsten Schritt zu denken.
Weitere Informationen finden Sie hier sowie in unserer Podcastfolge zum Thema beidseitiges Hören:
Zwei CIs: Vorteile und weitere Erfahrungsberichte
¹ van Hoesel R et al. (2002): Sound direction identification, interaural time delay discrimination, and speech intelligibility advantages in noise for a bilateral cochlear implant user.
² Kompis M, Senn P, Vischer M, Häusler R (2001): Schalllokalisation und Sprachverständnis nach bilateraler Cochlea-Implantation.
³ Laszig R et al. (2004): Benefits of Bilateral Electrical Stimulation with the Nucleus Cochlear Implant in Adults: Six Months Post-operative Results.
⁴ van Hoesel RJ, Clark GM (1997): Psychophysical studies with two binaural cochlear implant subjects.